Hagebutten und Erinnerungen

Dieses Jahr reifen die Hagebutten, wie die meisten Früchte, schon recht früh. Bei ihrem Anblick stiegen unangenehme Erinnerungen in mir hoch.

Mein Vater züchtete Papageien und Sittiche. Wie jeder gute Züchter, der etwas auf sich hielt, ließ er sie für viel Geld einfliegen. Die armen Piepmätze kamen in ganz kleinen Käfigen an und waren dementsprechend lädiert. Vor ca. 50 Jahren wurde Tierschutz und Artenschutz erst recht, klein geschrieben. Besser gesagt, man kannte nicht viel davon. Kamen die süßen Vögel dann lebend an, war die Freude riesengroß. Die Züchter aus der Umgebung trafen sich bei der Ankunft dieser, um sie gespannt zu begutachten und alles zu tun, um sie am Leben zu erhalten. Ab sofort wurden sie gehätschelt und vertätschelt.

Mein Vater hatte im ürsprünglichen Kinderzimmer zwei riesige Volieren für seine Lieblinge stehen. Da für uns Kinder kein Platz in dem Zimmer war, schliefen mein Bruder und ich bei meinen Eltern im Schlafzimmer. Ich bekam zum Beispiel erst mit 19 Jahren mein eigenes Zimmer. Wie es war, als wir unter 12 Jahren waren, da kann ich mich leider nicht erinnern. Nach den Erzählungen meiner Mutter müssen wir da allerdings im Kinderzimmer gewesen sein.

Ich schweife mal wieder ab, eigentlich wollte ich von meiner Abneigung zu Hagebutten erzählen. Das eine hängt jedoch mit dem anderen zusammen.

In meine Schule gingen damals mindestens 500 Schüler, dementsprechend groß war der Schulhof. An der einen langen Seite des Zaunes waren nun Rosenbüsche gepflanzt, die im Herbst dicke dunkelrote Hagebutten trugen. Und damit begann für mich das Drama.

Da die Piepmätze für ihr Leben gerne Hagebutten fraßen, musste ich regelmäßig im Herbst diese Früchte pflücken. Ich weiß nicht, wie es heute gehandhabt wird, aber damals durfte man den Schulhof einer höheren Schule nach Schulschluß nicht ohne Genehmigung betreten. Also musste die „arme“ Bbdüm mehr oder weniger regelmäßig zum Hausmeister tapern, um sich eben diese Genehmigung holen. Hatte er einen guten Tag, dann wurde mir gnädig die Erlaubnis erteilt. Hatte er einen schlechten Tag, dreimal dürft ihr raten… Kam ich ohne nach Hause, bekam ich Ärger mit meinem Vater. Wisst ihr, wie ich mich, vor allem in der Pubertät, gefühlt habe? Genau, krass gesagt, beschissen. Hinzu kam, weil ich in den Büschen rumkriechen musste, dass alles am Körper juckte. Hagebutten „produzieren“ nämlich das beste Juckpulver. Den Vögeln hat es jedenfalls geschmeckt, wenigstens etwas.

Ich wünsche euch einen schönen Tag und passt gut auf euch auf.

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10 responses to “Hagebutten und Erinnerungen

  • minibares

    Ach du meine Güte, liebe Bärbel, das war ja richtig Stress für dich.
    War es nicht nachmittags möglich, an die Hagebutten zu kommen? Oder andernsorts?
    Ich hatte nie ein Kinderzimmer, dazu war unsere Wohnung zu klein.
    Nur mein Bruder hatte das Kinderzimmer, um dort zu schlafen.
    Mit meiner Schwester habe ich lange das eine Ehebett geteilt…
    Mein Bruder war 10 Jahre älter, so konnte dann meine Schwester ins Kinderzimmer, ich später auch.
    deine Bärbel

  • kowkla123

    Danke für die Info und kommt man echt so schlecht in meinen Blog, schönen Mittwoch wünsche ich, Klaus

  • Gucky

    Ja…. früher waren Eltern manchmal recht grausam ! 😯
    Heute würde ich sagen, hol dir deinen Scheiß doch selber… 😈
    Aber ich bin ja auch kein Kind mehr was Respekt um nicht zu sagen Angst vor den Eltern hat. :mrgreen:

  • Babbeldieübermama

    @minibares:

    Richtig peinlich war es mir, liebe Bärbel. Ich bin direkt in Hannover groß geworden, da gab es damals in den Vorgärten noch nicht viele Rosenbüsche und es mussten ja dann auch welche sein, die Hagebutten bildeten.
    Da waren wir dann doch noch besser dran, als deine Schwester und du. Wir hatten wenigstens jeder unser eigenes Bett. Wir waren nur immer sauer, dass die Vögel ihr eigenes Zimmer hatten und wir nicht.
    LG deine Bärbel

  • Babbeldieübermama

    kowkla123:

    Ich komme wirklich so schlecht in deinen Blog. Warum weiß ich auch nicht.
    Wünsche dir einen schönen Tag.
    LG Bärbel

  • Babbeldieübermama

    @Gucky:

    Meine Mutter hat unter der Situation gelitten. Was sollte sie machen, früher hatte der Mann das sagen…
    Stimmt, heute würden viele Kinder sich das nicht gefallen lassen. In manchen Sachen finde ich das auch gut so. Heute würde ich mir das auch nicht mehr gefallen lassen. 😉
    LG Bärbel

  • Diva

    Eltern! Manchmal verlangen sie furchtbare Dinge! Ich kenn Hagebutten auch als Juckpulver! Liebe Grüsse Anja

  • Babbeldieübermama

    So ist es. Auf der einen Seite war er ein sehr guter Vater, auf der anderen konnte er sehr hart sein. Trotz allem habe ich ihn geliebt…
    Mit dem Juckpulver wurde manch übler Scherz gemacht. 😉 Liebe Grüße Bärbel

  • Gudrun

    Oh, das ist eine weniger gute Geschichte, liebe Bärbel. Schade, dass es dir die Hagebutten so vergällt hat. Es sind nämlich ganz tolle Früchte.
    Deinen Vater kann ich nicht verstehen. Ehrlich.

  • Babbeldieübermama

    Liebe Gudrun, es würde mich allerdings nicht daran hindern etwas mit Hagebutten zu essen oder zu trinken. Gebastelt habe ich schon des öfteren damit. 😉
    Verstehen konnte ich meinen Vater allerdings auch nicht.
    Liebe Grüße von Bärbel

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