Rollstuhl unerwünscht

„Sie können/dürfen mit dem Rollstuhl nicht in die Kapelle“, wurden wir in unfreundlichen Ton angesprochen. So erging es mir, als wir am Freitag auf dem St. Nikolai Friedhof in Hannover, der Mutter einer Freundin die letzte Ehre erweisen wollten.
Es gab scheinbar keine andere Möglichkeit, als mich die 12 Stufen hochzuquälen. Als mein Mann allerdings meinen Rolli mit in die Kapelle mitnehmen wollte, wurde der Ton noch unfreundlicher. Wir mussten den Rollstuhl tatsächlich draußen lassen und ich mich auf den sehr unbequemen Stuhl quälen. Wohlgemerkt, es war genügend Platz für mein Gefährt. Jetzt frage ich mich, was hätte man gemacht, wenn ich keinen Schritt mehr laufen könnte? Woher wußte diese Person, ich nehme an es war der Küster, dass ich noch in der Lage bin ein paar Meter zu gehen? Dürfen Rollstühle generell nicht mit in Kirchen oder Kapellen genommen werden, weil man Angst hat sie verursachen ruhestörenden Lärm, oder sie stören die Gläubigen? Ich fühlte mich auf alle Fälle wie ein Mensch dritter Klasse. Beschämend, wenn ein Pastor noch nicht mal ein paar erklärende Worte findet.
Aus Rücksichtnahme auf unsere Freundin und ihre Familie habe ich mich beherrscht und meinen Mund gehalten.

Habt einen schönen Tag und passt gut auf euch auf.

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30 responses to “Rollstuhl unerwünscht

  • schreibtischgedanken

    Unglaublich. Neben dem Hundeverbotsschild, wird demnächst auch ein durchgestrichener Rollstuhl zu sehen sein. Da wissen Menschen mit einer Beeinträchtigung direkt, wo sie sich einzuordnen haben. Es lebe die Nächstenliebe.
    Ich drück‘ dich mal – Iris

  • Anna-Lena

    Das kann wohl nicht wahr sein 😯 . Wo leben wir eigentlich? Ich glaube, der besagte Ort hat dich kein Fass aufmachen lassen, sonst hättest du dich sicher lautstark – und mit Recht – beschwert.
    Hab trotzdem einen guten Sonntag, liebe Bärbel.

    Liebe Grüße von mri ♥ .

  • Anhora

    Besagter Küster hätte beim Papst anrufen und nachfragen sollen, ob der eine solche Vorschrift und ihre Befolgung für sinnvoll hält und wie er sich in deinem Fall verhalten soll. Oder noch besser: In einem Moment stiller Einkehr Jesus fragen. Der Küster gehört entlassen. Beruf verfehlt.

  • freiedenkerin

    Das ist aber ungemein unchristlich!… Boah, wenn ich so etwas lese, dann steigt in mir aber so was von die Wut hoch… Dem Küster hätte ich eine Bibel um die Ohren gehauen, bis die Fetzen geflogen wären…
    *Lieb-drück*

  • kowkla123

    an so einem Ort müsste doch mehr Menschlichkeit herrschen

  • Dani

    Das ist definitiv eine saftige Beschwerde wert. Tu mir den Gefallen und wende dich ganz offiziell an die Kirchengemeinde, sonst geht es dem nächsten Rollifahrer genauso. Das ist wirklich unter aller S…
    Dass ein Zugang – baulich bedingt – nicht immer möglich ist, mag ja noch angehen. Dass man dir aber verbietet, den Rollstuhl mit in die Kapelle zu nehmen, geht gar nicht. Was hätte man denn getan, wenn er geklaut worden wäre? Meiner kostet über 4000 Euro…

  • theomix

    Die St-Nikolai-Friedhöfe gehören dem St-Nikolai-Stift. Träger ist die Stadt Hannover. (Bitte, korrigiere mich, wenn die dürftigen Angaben im Internet nicht stimmen.) was immer der Türwächter von Beruf sein mag, ‚Küster‘ ist er nicht. Und ein Pfarrer hat dann kein Hausrecht und ist Gast wie jeder andere auch, selbst wenn er den Trauergottesdienst hält.

  • Gucky

    Ich hätte auch lautstark (noch vor der Kirche) Protest gemacht !
    Bei sowas muß man Öffentlicheit herstellen !
    Aber das ist christliche Nächstenliebe. Die aber nicht nur von dem unfreundlichen „Küster“ praktiziert wird.
    Ich könnte da Geschichten aus meiner Jugend erzählen ! Mache ich irgendwann auch noch im Blog !

  • theomix

    Die andere Seite: Beim Stift und bei der Stadt mal nachhören, wie es mit behindertengerechten Zugängen aussieht. Da einen Friedhof zu betreiben eine öffentliche Aufgabe ist, muss so was gewährleistet sein. Egal, wer der Träger ist.

  • minibares

    In unserer früheren Kirche war extra ein flacher Eingang mit automatischer Türöffnung, da können also Rollstühle aber auch Kinderwagen oder Rollatoren rein.
    Auch in meiner Aktuellen Kirche gibt es die Möglichkeit, hier ist eine Art Rampe, draußen eine Taste in guter Höhe bzw. Tiefe erreichbar. Und die Tür schwingt auf.
    Rollstühle und ähnliche ERWÜNSCHT ! ! !
    Auch die Friedhofskapelle in Westerholt war ebenerdig, da können Rollies auch bestens rein.
    Hier ist die Kapelle so klein, ich glaub, das passen vielleicht 10 Leute rein, Eingang aber auch ebenerdig.
    Aber, wie Jörg schreibt, das ist doch städtisch, also müssen sie auch dafür sorgen, dass jede/r hineinkann.
    Boah, ich hätte meine Schnüss nicht halten können!

  • Babbeldieübermama

    @schreibtischgedanken:

    Genau so habe ich auch oft das Gefühl. Die Tiere sind noch im Vorteil. Sie haben eine große Lobby, wir nicht.
    Danke fürs drücken-Bärbel

  • Diva

    Oh! Ich reg mich gerade tierisch auf! Das ist ja das allerletzte! Das darf ja wohl nicht wahr sein! Liebe Grüsse Anja

  • Babbeldieübermama

    @Anna-Lena:

    In Deutschland und da ist es mir auch passiert. Ich wäre gerne laut geworden, aber der Anlass ließ mich anstandshalber schweigen.
    Ich habe mir natürlich nicht den Sonntag verderben lassen, liebe Gaby.
    Ganz liebe Grüße
    Bärbel

  • Babbeldieübermama

    @Anhora:

    Nun scheint es kein Küster, auf jeden Fall aber kein katholischer Pastor gewesen zu sein. Ich finde es allerdings egal, wer sich da diesen Klopfer geleistet hat. Ich fühlte mich zu recht schlecht behandelt. Gefühlsmäßig haben da tatsächlich einige den Beruf verfehlt.
    LG Bbdüm

  • Babbeldieübermama

    @An alle:

    Seid nicht böse, ich bin im Moment nicht mehr in der Lage eure Mails zu beantworten. Morgen mache ich weiter.

  • Ruthie

    Das kann gar nicht sein, wo ja die Angehörigen auf Friedhöfen sehr oft ältere Menschen sind, die nicht mehr gehen können. War der Zugang für Rollis möglich? Ich würde mich wenigstens nachträglich beschweren. Das sind ja Zustände!

  • Emily

    Bitte was?! Das ist ja eine unfaßbare Geschichte, liebe Bärbel. Wir hatten neulich ebenfalls eine Beisetzung in einer kleinen Kapelle. Zwei Damen waren mit ihren Rollstühlen dabei. Es gab kein Murren, im Gegenteil. Alle waren behilflich dabei, um die Damen auch mit zum Grab zu nehmen. Denen sollte man die Hölle heiß machen!

  • Babbeldieübermama

    @freidenkerin:

    Genau das hätte ich auch gerne gemacht! Nur scheint es kein Küster gewesen zu sein. Da muss ich jetzt erst mal recherchieren.
    Herzlichst

  • Babbeldieübermama

    kowkla123:

    Das meine ich auch. Egal ob die Kapelle zur Kirche oder der Stadt gehört.
    Herzliche Grüße
    Bärbel

  • Babbeldieübermama

    @Dani:

    Herzlich willkommen und danke für deinen Kommentar.
    Selbstverständlich werde ich der Sache nachgehen. Mein Rollstuhl war nicht so teuer, aber trotzdemm, es geht ums Prinzip. Nun bin ich nur gespannt, wem die Kapelle gehört.
    Herzliche Grüße
    Bbdüm

  • Babbeldieübermama

    @theomix:

    Ich werde selbstverständlich nachprüfen wer der Träger ist. Prinzipiell ist es mir egal, denn ein nettes Wort zur rechten Zeit hätte die Situation für mich erleichtert. Die Anwesenden vom Beerdigungsinstitut waren dort auch nur Gast, haben aber versucht die Sache zu entzerren.
    Wie schon geschrieben, ich nahm nur an, dass es sich um einen Küster handelte. Egal wie, ich werde mich informieren und danke dir für die Informationen.
    Liebe Grüße
    Bärbel

  • Babbeldieübermama

    @Gucky:

    Wie gesagt, es war eine Beerdigung, da wollte ich keinen Streit vom Zaun brechen. Öffentlichkeit war eh nicht gegeben, da kaum Betrieb auf dem Friedhof war.
    Erzähl mal deine Erlebnisse. Ich bin echt gespannt.

  • Babbeldieübermama

    @minibares:

    Ich bin mir nicht sicher, ob der Friedhof städtisch ist. Als ich in einer anderen Sache mich beim städtischen Friedhofsamt erkundigte, wurde er als kirchlich angegeben.
    Sie schienen keinen anderen Eingang zu haben. Man kann aber in so einer Situation freundlich bleiben. Warum der Rollstuhl nicht mit in die Kirche durfte, ist mir allerdings immer noch ein Rätsel, zudem die Stühle selbst für Gesunde sehr unbequem waren.
    Liebe Grüße
    deine Bärbel

  • Babbeldieübermama

    @Diva:

    Leider war es wahr!!! Du kennst ja auch ähnliche Geschichten, schlimmer als die, die ich erlebt habe.
    Liebe Grüße
    Bärbel

  • Babbeldieübermama

    @Ruthie:

    Nein, es schien tatsächlich kein Zugang für Rollstühle und ähnliches zu geben. Für mich kein Grund, mit mir so umzugehen.
    Wenn ich weiß, zu wem die Kapelle gehört, werde ich mich selbstverständlich noch beschwerden.
    Liebe Grüße
    Bärbel

  • Babbeldieübermama

    @Emily:

    So wie bei euch sollte es auch sein.
    Wir kamen übrigens erst am Grab an, als fast alles vorbei war. So was nennt sich dann Nächstenliebe.
    Liebe Grüße
    Bärbel

  • Gudrun

    So etwas macht mich unglaublich traurig. Wenn du mit Inlinern gekommen wärst und man hätte dir der Zutritt damit verwehrt, dann hätte ich das verstanden. aber glaubt man denn, du sitzt im Rollstuhl um andere zu ärgern? Dein Tag war verkorkst, aber schreib bitte an die Stadt Hannover. Vielleicht erspart es anderen die elende Prozedur.
    Ich würde dich jetzt mal drücken, wenn du nicht so weit weg wärst.

  • claudiag

    Ich lese das jetzt erst und bin echt fassungslos. Hast du denn inzwischen etwas unternommen? Egal, wer der Träger ist, da muss eine Beschwerde her. Du wirst nicht die erste und auch nicht die letzte im Rollstuhl gewesen sein, die dort an einer Beerdigung teilnimmt. Wenn der anwesende Bestatter davon auch nichts wusste (und es ist ja anzunehmen, dass er nicht zum ersten Mal da war), dann scheint es hoffentlich eine unrühmliche Ausnahme gewesen zu sein. Aber eine Beschwerde muss trotzdem sein!
    Unsere Kirche war (ja, leider in der Vergangenheit, weil sie inzwischen geschlossen ist und ein Theater beherbergt) auch barrierefrei – keine Stufe am Eingang, keine innerhalb der Kirche und ganz viel Platz für Rollstühle und Kinderwagen. Nur zum Altarraum ging es eine Stufe hoch, aber da musste man in der Regel ja nicht hin. ;.-) LG Claudia

  • Babbeldieübermama

    Schön liebe Claudia, dich hier zu lesen.

    Ich habe tatsächlich noch nichts unternommen. Gut, dass du mich daran erinnerst.
    So etwas habe ich bis jetzt in einer Kirche noch nicht erlebt(nicht das ich mich oft in Kirchen aufhalte). Wenn es Probleme gab, so wurde sich zumindest bemüht sie zu beseitigen. Und ich versuche ohne Rollstuhl mein Ziel zu erreichen. Leider klappt das nur leider immer seltener. 😉
    Liebe Grüße
    Bärbel

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