Das waren noch Zeiten

Schneeballschlachten, Schnee schippen, rodeln oder eine zum Leidwesen der Erwachsenen auf dem Gehweg oder wenn möglich mitten auf der Fahrbahn angelegte Rutschbahn. Kann es etwas Schöneres geben? Ihr lest richtig, auf der Fahrbahn und das in Hannover. Als ich Kind war, fuhr kaum ein Auto und wenn, wir waren schnell, sehr schnell. Wir waren es gewohnt auf einem brachliegenden Gelände oder auf der Straße zu spielen. Verkehrsampeln? Hier und da stand mal eine dumm in der Gegend rum. Wer ging denn nur bei grün über die Straße? Wir höchst selten, nur schnell mußte man eben sein. Oft wurden Fußgänger überfahren, oft erfuhr man es nicht. Wer hatte schon einen Fernseher!? Und wenn, es gab „wichtigere Dinge“ zu berichten.
Ich schweife wieder ab, ich wollte was ganz anderes schreiben.
Herrlich aber auch spannend die Zeit, wenn Bahnen und Busse wegen Frost oder Schnee nicht mehr fuhren. Wie oft haben wir im Amt am Fenster gestanden und die leeren Straßen von Hannovers Innenstadt zu bestaunen. Wie oft wußte ich nicht, komme ich zur Arbeit hin oder zurück. Für mich immer ein großer Spaß, für die anderen oft ein Ärgernis. Wie oft mussten Kolleginnen, die weiter entfernt wohnten morgens um 6.00 Uhr losgehen und waren abends erst um 22.00 Uhr zu Hause.
Egal welche Probleme ich oft durch die winterlichen Verhältnisse hatte, ich habe den Winter so lange ich zurück denken kann geliebt.
Viele Jahre später stand ich beim ersten Frost ohne Mantel, Schal usw. im Freien bis ich das Gefühl hatte kurz vorm Erfrieren zu sein.
Wie oft ich nachts, wenn ich nicht schlafen konnte, barfuß durch den Schnee lief, ich kann es nicht mehr zählen. Ich hatte es angefangen, als in meinem Körper der „Wahnsinn“ zu toben. Im Körper kribbelte es aus unbekannter Ursache, die Fußsohlen juckten, verursacht durch eine meiner vielen Allergien. Hinzu kam die Nervenschädigung durch die lange nicht erkannte Diabetes in den Beinen. Sie verursachte ein widerliches kribbelndes juckendes Gefühl. Ich kann es nicht besser beschreiben.
Es war für mich eine Wohltat, wenn die Kälte in meinen Körper drang. Bis 18° Grad minus war ich mit geöffneten Sommermantel und Clogs ohne Strümpfe unterwegs. Als wir noch in einer Kleinstadt wohnten, ich mich noch besser bewegen und bald jeden Tag meinen Gang durchs Zentrum machte, wurde ich immer wie eine Außerirdische betrachtet. Jeden morgen ging ich zum Kiosk und holte die Tageszeitung und für mich Zigaretten. Eines morgens fuhr ein alter Mann auf dem Fahrrad an mir vorbei, sah meine sommerliche Kleidung und war so fasziniert, dass er den Blick nicht von mir wenden konnte. Den Kopf nach hinten gedreht mit staunend Blick fuhr er weiter. Ich wartete gespannt auf den Crash mit einem parkenden Auto. Schade, es sei mir ein bißchen Schadenfreude vergönnt, es passierte nix. Fortsetzung folgt eventuell oder nie.
Habt einen geruhsamen Tag und passt gut auf euch auf.

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10 responses to “Das waren noch Zeiten

  • freiedenkerin

    Auch ich habe zahllose und großenteils wundervolle Erinnerungen an „richtige“ Winter mit klirrender Kälte und Berge von Schnee… Leider, leider ist jetzt aber auch mit dem zunehmenden Alter die Liebe zur kalten Jahreszeit etwas distanzierter geworden, der Gehbehinderung wegen fällt es mir von Jahr zu Jahr schwerer, mit auf schneeigem und glattem Untergrund zu bewegen…
    Auch die Kälte weiß ich sehr zu schätzen! Ich schlafe auch bei erheblichen Minusgraden bei gekipptem Fenster. Es gibt nichts Besseres gegen nächtliche Hitzewallungen, als die knackig frostige Nachtluft über den beinahe entblößten Körper streichen zu lassen. 😉
    Ich wünsche dir ein ganz wundervolles Winterwochenende!
    ♥lichst!

  • skriptum/skryptoria

    In meiner Erinnerung denke ich im Winter häufig an einen Spielplatz zurück, auf dem wir in Kindertagen einen riiiiesigen Berg hatten, den wir mit Schlitten und allem, auf das man sich setzen oder mit dem man rutschen konnte, herunter geprescht sind. Als ich mal vor ein paar Monaten mit Google Earth da „lang gefahren“ bin, gab es dort überhaupt keinen Berg (mehr?!). Vermutlich ist er inzwischen geebnet worden. Und auch wenn ich den Kinderschuhen längst deutlich entwachsen bin, war ich total enttäuscht, als ich das sah. Plattes Land, dort, wo ich als Kind das Rodeln so sehr genossen habe. Wie kann man sowas machen? *soiftz

    Im Moment finde ich es herrlich, dass draußen alles in Weiß getaucht ist und die Sonne scheint. Gegen die Kälte kann man sich entsprechend anziehen. Hoffentlich bietet sich mir morgen das gleiche Bild. Ich freue mich doch schon so sehr darauf, morgen zur Wahl zu gehen und explizit die SPD, FDP, CDU/CSU und Die Grünen NICHT zu wählen! Bei Sonne würde das natürlich noch mehr Spaß bringen! 😉

    Dir, liebe Babbel, wünsche ich einen angenehm kühl-warmen, glieder_unbeprickelten Tag!

  • kowkla123

    du passe auf dich auch auf, wünsche schönen Samstag, KLaus

  • Himmelhoch

    An diese Kindertage mit Spielen auf der Straße kann ich mich bestens erinnern – die DDR war ja sowieso viel Auto-ärmer als das andere deutsche Land. Und ich wohnte in einer relativ kleinen Straße – da hatten immer die Kinder die Oberhand und die Autos mussten bitten, dass wir sie durchlassen.
    Ein Winterfan war ich noch nie!!!
    Ich bin ja gespannt, was morgen bei der Wahl rauskommt: Rösler raus, Rösler raus doch bitteschön als Mindestdienstleistung, oder???

  • minibares

    In meiner Kindheit waren die Bürgersteige nur feste Erde. Wir wohnten in einer Sackgasse. Da konnten wir ohne weiteres auf der Straße Rutschbahnen anlegen, und schlindern mit größtem Vergnügen.
    Ampel gab es in der Stadt eine einzige, eine Hängeampel mit sich drehendem Pfeil. Da konntest du immer sehen, wir lange es dauert, bis du dran warst.

  • Babbeldieübermama

    @freidenkerin:

    Eigenartigerweise kann ich die paar Meter, die ich noch laufen kann, nicht besser oder schlechter als im Sommer laufen.
    Pass gut auf dich auf, damit du nicht wieder stürzt.
    Wünsche dir eine schöne Woche. 🙂

  • Babbeldieübermama

    @skriptum:

    Der Rodelberg aus meiner Kindheit existiert noch. Als wir vor kurzem die Bernadotte Allee langfuhren konnte ich ihn mangels Laub durch die Bäume sehen.
    Und wie schön es heute schneit… 🙂
    Dir liebe Tina wünsche ich eine angenehme Abkühlung. 😉

  • Babbeldieübermama

    kowkla123:

    Mache ich. Habe eine angenehme Woche, Bärbel

  • Babbeldieübermama

    @Himmelhoch:

    Manches war eben in der DDR auch gut. eure Kindeserinnerungen kann euch keiner nehmen.

    Dein Wunsch in Bezug auf Rösler ging ja nun in Erfüllung.

    Es grüßt Babbel

  • Babbeldieübermama

    @minibares:

    Bei uns waren die Straßen schon asphaltiert. es gab schon reichlich Ampeln. Gegen heute allerdings… 🙂

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