Im Leine-Center einkaufen, der Horror nimmt nicht nur für Behinderte kein Ende

Gestern gab mein Göga sich nun einen Ruck und fuhr mit mir, um Weihnachtseinkäufe zu erledigen, ins Leine-Center Laatzen. Ich habe mich gefreut wie Bolle, wußte ich doch nicht was auf uns zukam.
Als wir auf dem Parkplatz ankamen, waren wir über die vielen Behinderten-Parkplätze angenehm überrascht. Natürlich parkten dort wie immer Autos von Leuten die ganz offensichtlich nicht behindert waren. Von der T.r.o Bank parkte ein Firmenwagen auf einem dieser Parkplätze. Ist ja auch bequem, aus dem Wagen springen und quasi in die Bank fallen. Das sich Stunden später allerdings der Fahrer eines Behindertentransporters von diesen Bänkern unfreundliche Worte anhören musste, weil er Anspruch auf diesen Platz erhob, finde ich schon hammerhart. Unfassbar, dass die Menschen wie in vielen Dingen kein Unrechtsbewußtsein mehr haben.
Das die Türen am Haupteingang sich nicht automatisch öffnen, wen interessiert das schon, außer uns Behinderte und nicht zu vergessen, die Mütter mit Kinderwagen oder -karren, Rentner und Kinder. Fällt euch was auf, alles Randgruppen. Mütter und Kinder kann ich beruhigt in diesem Zusammenhang erwähnen.
Dann kam der nächste Schock… Die meisten Geschäfte sind für Menschen wie mich wie eine Tür mit einem dicken Schloss. In viele kommt man mit Rollstuhl nicht rein und die meisten anderen haben zu enge Gänge oder sind derartig mit Ware zugestellt, dass kein Durchkommen möglich ist. Wie oft Göga Umwege machen oder Gegenstände zur Seite schieben musste, ich kann und will es nicht mehr zählen.
Hinzu kommen die entsetzten, geschockten, angewiderten und entnervten Blicke mancher Verkäuferinnen und Mitbürger.
Als ich bei der Parfümerie Do.g.as einen Gutschein einlösen wollte, fühlte ich mich wie eine Aussätzige. Mit Erfolg wurden wir davon abgehalten in die Nähe der Regale zu kommen. Dachten die Angestellten ich würde die Ware aus den Regalen reißen, die Kunden belästigen, vielleicht sogar mit einer ominösen Krankheit anstecken oder anfangen zu randalieren? Ich weiß es nicht, ehrlich gesagt finde ich es auch unwichtig… Diesen Laden werde ich nicht mehr betreten. Bei Rossmann und DM wird man netter bedient.
Wäre Opossum nicht gewesen, ich hätte oft lauthals gemosert. Wir sollten viel mehr und viel lautstarker unser Recht einfordern. Wir müssen uns wehren, denn auch als Behinderte haben wir einen Anspruch auf höfliche Behandlung.
Natürlich möchte ich nicht die zuvorkommenden Verkäuferinnen sowie die netten und hilfsbereiten Menschen unerwähnt lassen. Sie verschönern einem das Leben.

Advertisements

16 responses to “Im Leine-Center einkaufen, der Horror nimmt nicht nur für Behinderte kein Ende

  • freiedenkerin

    Service-Wüste Deutschland – das ist mir jetzt ganz spontan beim Lesen eingefallen…
    ♥liche Grüße!

  • minibares

    Mein Like für diesen Bericht, du verstehst?
    Nicht für das Besetzen eines Behinderten-Parkplatzes, nicht für die duglas-Mitarbeiter/innen. Zu denen gehe ich auch nie, kann ja keine Parfum-Düfte vertragen, lach.
    Ihr müsst wohl doch mal nach Essen in das Einkaufzentrum kommen, Das ist neu, schöne breite Wege.

  • Babbeldieübermama

    @freidenkerin:

    Ich habe einen ganzen Beitrag gebraucht, du nur ein paar Worte.
    Herzlichst

  • Babbeldieübermama

    @minibares:

    Ich verstehe…
    Das Einkaufszentrum selbst hat auch schöne breite Wege, wenn nicht irgendein Stand den Weg versperrt… Du verstehst?

  • skriptum/skryptoria

    Was mich immer wieder erstaunt ist, dass manche Wesen tatsächlich anzunehmen scheinen, dass es sie selbst nie treffen könnte. Ich wünsche niemandem etwas Schlechtes aber so manchem eigene Erfahrungswerte …

    Ich hoffe, dass Du Euren Kaufrausch dennoch irgendwie genießen konntest, liebe Babbeline! *t…….

  • theomix

    Wie sagt Bernd das Brot? „Mist!“
    Behindertenparkplätze sind ein Feigenblatt.
    Und das andere ist real existierender Kapitalismus: Wer zahlt, zählt. Hättest du dir mit 6 Hunderten zugefächelt, würden sie dir beim nächsten Mal alles Hinderliche beiseiteräumen.
    E

  • Babbeldieübermama

    @sriptum:

    Wie wahr, wie wahr. Ich hätte es nicht in meinen kühnsten Träumen…
    Wie heißt es so schön „Das Leben ist kein Ponyhof“.

    Natürlich haben wir durch die Hindernisse nicht alles geschafft, liebes Tinchen, aber ich will nicht klagen. Dieses Jahr geht meine Weihnachtspost eh schon spät raus, zu spät. Da kommt es jetzt auch nicht drauf an.

  • Babbeldieübermama

    Ich wollte ja zahlen, aber ich bekam keine Chance. Ich habe bei Do.g.as klar und deutlich meine Wünsche geäußert, scheinbar können die dort nicht gut addieren. Bei den anderen magst du recht haben…

  • Anna-Lena

    „Und das nicht nur zur Weihnachtszeit“ fällt mir dazu ganz ironisch ein .
    Manche Menschen sollten gewisse Dinge wirklich mal am eigenen Leib erfahren…
    Liebe Grüße ♥

  • Babbeldieübermama

    Auf den Punkt getroffen. Sowohl als auch…

    Liebe Grüße auch von mir.

  • Gucky

    Hier im Supermarkt am Ort komme ich als – Nichtbehinderter will ich nicht sagen :mrgreen: – körperlich nicht gehandicapter Mensch bei den zugestellten Gängen kaum durch.
    Manchmal muß ich aufpassen, dass ich nicht mit dem Hintern einen Stapel mit irgendwas umreiße… 😯
    Ich igele mich auch bis nach Weihnachten ein. Bis auf so Kleinigkeiten die man frisch braucht.
    Vor so Feiertagen herrscht in den Kauftempeln immer eine Stimmung als wenn es morgen (nach den Feiertagen) nichts mehr gäbe.

  • Babbeldieübermama

    Leider habe ich in Supermärkten diese unangenehmen Erfahrungen auch zu anderen Zeiten gemacht. Frag nicht wann, aber ich glaube ich habe bereits mal darüber berichtet.
    Wenn ich bedenke, dass wir bereits kurz nach Öffnung der Läden da waren, hoffe ich wenigstens einigen Verkäuferinnen den Tag vermiest zu haben. Igitt bin ich fies… :mrgreen:

  • Himmelhoch

    Vor meinem ganz normalen Supermarkt sind zwei Parkplätze mit dem Rollstuhlzeichen.
    Wie so oft, stehen dort Männer, die zu faul sind, ihren Einkaufswagen 10 oder 20 Meter weiter zu schieben.
    Nicht nur einmal sprach ich so einen Autofahrer an. Die Antworten gingen von „Was geht sie das an?“ über „Meine Frau ist behindert (die war aber gar nicht mit, sondern offenbar zu Haus geblieben)“ und vielleicht auch mal „Da ist doch noch ein Platz frei“.
    Sehr oft oder fast immer sind es die anderen Menschen, die es den Schwächeren schwer machen, sich gegen sie zu behaupten. Und ich sage immer: „Manche denken so weit, wie ein Schwein sch….“
    Liebe Grüße zu dir von Clara

  • kowkla123

    im ZDF hat man mal gezeigt, wie schwer es jemand hat, der im Rollstuhl sitzt, die Umwelt ist selten darauf eingestellt, schönen Freitag für dich, Klaus

  • Babbeldieübermama

    @Himmelhoch:

    Du hast recht. Eigenartigerweise sind es fast immer Männer die dort falsch parken. Du kannst froh sein noch so harmlose Antworten bekommen zu haben. Viele Behinderte werden regelrecht beleidigt. Mir ist das bis jetzt zum Glück erspart geblieben. Ich vermute, weil ich stets in Begleitung meines Mannes bin.
    „Manche denken so weit wie ein Schwein sch…“ Jetzt tust du den Schweinen aber doch ein bißchen unrecht. Die können manchmal ganz schön weit sch… 😉
    Liebe Grüße zurück von Babbel

  • Babbeldieübermama

    @kowkla:

    Oftmals wissen die Menschen auch nicht damit umzugehen. Mit Menschen wie mir, die dann auch noch ein paar Meter, wenn auch nur unter starken Schmerzen und mit 2 Krücken, laufen können, haben sie besondere Probleme. Ich sehe richtig wie sie denken, „Die kann doch laufen, warum braucht die einen Rollstuhl. Bärbel

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: