Deutschland deine alten Menschen

Sie wird ins Zimmer geschoben. Schimpfend, verzweifelt und vollkommen unglücklich, Maria, 90 Jahre, jüdische Polin. Sie erzählt mir ihre Erlebnisse der letzten Monate, im Altenheim, Krankenhaus und ihrer Wohnung. Sie erzählt Erlebnisse die stimmen können, erzählt wie schlecht mit ihr und mit anderen alten Menschen umgegangen sein soll. Erlebnisse oder Geschichten!? Ich kann es nicht beurteilen. Nur eins weiß ich, ihre Verzweiflung und immer wieder aufkeimende Wut waren echt, nicht gespielt. Sie hat Schmerzen vorgetäuscht, um diesem „furchtbaren“ Heim zu entfliehen. Sucht Hilfe, die ich ihr leider nicht geben kann. Ich tröste sie, halte ihre Hand, gebe ihr Ratschläge, aber wirklich helfen kann ich ihr nicht. Ich habe weder die körperliche noch die nervliche Kraft.
Als der Arzt ihr sagt, sie muss wieder ins Heim, weil sie keine akute Krankheit hat, wehrt sie sich verzweifelt. Sie will in ihre Wohnung, will nicht mehr in dieses scheinbar entsetzliche, auf alle Fälle für sie entsetzliche Heim. Leider wußte sie weder wie das Heim heißt noch wo es sich befindet. Als ich versuchte bei einer Schwester Hilfe zu mobilisieren, musste diese schnell weg und ward nie wieder gesehen. Die anderen versuchten einen großen Bogen um mich zu machen.
Bei der Verabschiedung klammerte sie sich fest an mich, ihre Augen flehten um Hilfe. Was hätte ich tun können, was kann ich tun? Nichts…. 😦
Doch ich Frage: Darf ein Mensch einfach gegen seinen Willen in ein Heim gebracht werden, in dem er sich nicht wohl fühlt, vielleicht sogar misshandelt wird. Selbst wenn es nicht stimmt, sie vielleicht „nur“ dement ist, hat sie doch Rechte. Wo bleibt die Achtung, der Respekt, das Mitgefühl, wo…???
Deutschland, was machst du mit deinen alten Menschen??? Wir sollten nicht vergessen, auch wir werden alt!!!!!

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9 responses to “Deutschland deine alten Menschen

  • freiedenkerin

    Keine Sorge, so was wird’s vielleicht für uns schon gar nicht mehr geben. Wir „neuen Alten“ dürfen(müssen) bis Ende Sechzig arbeiten, dazu wird man die Sozialleistungen und die Leistungen der Krankenkassen immer drastischer reduzieren. Wenn wir dann endlich in den Ruhestand werden gehen dürfen, werden wir dermaßen ausgepowert und medizinisch unterversorgt sein, dass wir binnen weniger Jahre die letzte Reise antreten werden. So wird sich der Staat viel Geld und unseren jüngeren Mitbürgern/innen viel Kalamitäten sparen. Denn zum Kümmern, Sichbemühen, Pflegen und liebevollen Dasein haben ja immer weniger Menschen Zeit(Lust)…

  • Gucky

    Was man so über manche Altenpflegeheime hört soll es ja nicht überall so sein dass ein alter Mensch sich wohlfühlen könnte.
    Andererseits ist das Personal wohl – ähnlich wie in Krankenhäusern – schlicht überfordert weil wo eigentlich z. B. wo zwei Pflegekräfte sein müßten nur eine ist. (so als Beispiel).
    Mir tut diese alte Frau nach deiner Erzählung auch leid. Aber wie du schon sagst: was soll man machen ?
    Zudem wird es einen Grund haben, daß sie im Altenheim lebt. Wenn sie dement ist, wird sie kaum alleine zurecht kommen.
    Wenn die Leute alleine nicht mehr zurechtkommen und niemand haben der sich um sie kümmert wird das von Amts wegen verfügt, daß sie in eine Altenpflegestelle kommen.
    Man kann nur hoffen, daß man bis zum Tode seine körperlichen und geistigen Kräfte erhalten kann.

  • Himmelhoch

    Wie meine Vorgängerin sagt: Wenn niemand da ist, der zu Haus die Pflege übernimmt und eine Eigenversorgung nicht mehr möglich ist oder gar für andere gefährlich werden kann (z.B. Gas ist in der Wohnung), dann heißt diese letzte Station: Altenheim.
    Meiner Mutter jedenfalls geht es dort gut – ich erdreiste mich sogar zu sagen: Besser als zu Haus, denn ich hätte sie nicht versorgen können und wollen.
    Lasse es dir gutgehen – so gut, wie es geht!
    LG von Clara

  • Babbeldieübermama

    @freidenkerin:
    Du hast leider recht. Die Menschen werden ständig herzloser und stumpfen immer mehr ab. Der Mammon regiert die Welt.

  • Babbeldieübermama

    .@Gucky:
    Ich habe über die teilweise furchtbaren Zustände in vielen heimen schon entsetzliche Berichte gesehen und auch gelesen.
    Natürlich müssen demente Menschen in ein Pflegeheim kommen, wenn für sie niemand sorgen kann. Mich hat nur entsetzt, dass niemand die Angaben der Frau geprüft hat oder dafür gesorgt hätte, dass sie in ein anderes Heim kommt. Ein bißchen Menschlichkeit wäre oftmals angebracht.

  • Babbeldieübermama

    @Himmelhoch:
    Natürlich gibt es sehr gute Heime. Ich kann auch das Heim von Maria nicht beurteilen. Aber ich wiederhole es imm er wieder, auch ein alter und kranker Mensch sollte nicht gezwungen werden in ein von ihm verhasstes Heim gesteckt zu werden.
    Übrigens, deine Vorgängerin ist ein Vorgänger.
    LG von Babbel

  • minibar

    Leider sind die Heime sehr, sehr unterschiedlich. Aber eines ist allen gleich, der Zeitdruck. Es sind für jeden Handschlag für jede Tätigkeit Zeiten vorgegeben. Und wehe, jemand setzt sich mal ans Bett einer Person, um ihr die Hand zu halten. Da ist der Zeitrahmen sofort geprengt und passt in keine Tabelle.
    Wir werden dort einfach den Maschinen zugeteilt. Auf einen Knopf drücken und fertig.
    Gebe Gott, dass wir in Heime kommen, wo das nicht so ausgeprägt ist.

  • Gucky

    @minibar

    Gebe Gott, dass wir in Heime kommen, wo das nicht so ausgeprägt ist.

    DAS wird nicht besser 😯 eher schlimmer !

  • Babbeldieübermama

    @minibares:

    Jeder weiß voran es mangelt, keiner ändert was. Ich finde es grauenhaft.
    Hoffentlich komme ich nie in ein Heim.

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