Hebammen-Protest

Seit heute kann man die E-Petition des Deutschen Hebammenverbandes mitzeichnen.

KLiCK

Bei gleichbleibender (ohnehin schon nicht üppiger) Vergütung sollen Hebammen ab dem Sommer wesentlich höhere Haftpflichtprämien zahlen. Und nur von Luft und Liebe werden wohl auch Hebammen nicht satt… Viele werden dann sicher ihren Beruf aufgeben.

Wir, die Bewohner der Chaosbude, bitten Euch: Zeichnet diese Petition mit, denn jede Frau sollte ein Recht darauf haben, ihr Kind mit der Person ihres Vertrauens an dem Ort ihrer Wahl auf die Welt zu bringen!

Umfangreiche Informationen zum Thema findet Ihr unter www.hebammen-protest.de. Oder in dieser weitergeleiteten Mail:



Liebe Mitmenschen!

Diese Mail ist wichtig! Auch wenn diese Mail lang ist, bitte ich euch herzlich, sie zu lesen. Letzten Endes geht es AUCH um EUCH.

Ich weiß nicht, wieviele von euch schon von der folgenden Themati…k mitbekommen haben – eines der Probleme ist jedoch bis dato fehlende Öffentlichkeit und Medeinpräsenz.
Deswegen also von ziemlich weit vorne….

„Der erste Mensch in meinem Leben war eine Hebamme. In deinem auch!“

Mit diesem und anderen Slogans versuchen die verschiedenen Hebammenverbände seit ca. 2 Jahren auf die unterschiedlichen Mißstände der Bedingungen unseres Hebammenberufes aufmerksam zu machen.

Im wesentlichen drehte es sich schon lange um

– die teilweise (medizinisch wie menschlich) unverantwortlichen Pro-Kopf-Betreuungen in den Kliniken (z.B. wenn sich eine Hebamme um 3 oder mehr Geburten kümmern muss) durch Sparmaßnahmen in der Personalpolitik der Krankenhäuser

– die Unterbezahlung sowohl der freiberuflich tätigen wie auch angestellten Hebammen gemessen an dem hohen persönlichen Aufwand (z.B. Dauerrufbereitschaft, nächtliche, sonntag- und feiertagliche Anrufe und Einsätze) UND der hohen Verantwortung für mindestens 2 Menschenleben.
Für den Lohn, den wir z.B. für einen häuslichen Wochenbettbesuch bekommen, würden viele Handwerker nicht mal ins Haus kommen. Besispiel: für einen (nicht nach Zeiteinheit, sondern nach Tätigkeit bezahlten) Hausbesuch können wir den Kassen 26,52 € brutto berechnen. Diese Besuche dauern häufig um 1 Zeitstunde, in den ersten Tagen nach der Geburt oder bei Stillproblemen auch mal 2 Stunden. Dazu kommt natürlich die Zeit, die wir für An- und Rückfahrt brauchen, ich denke, das Mittelmaß liegt hier bei 20-30 min pro Strecke- ergo für 1,5-3 Stunden Arbeit 26,52 € brutto. Eine fast wirtschaftlich notwendige zeitliche Kürzung dieser Besuche würde am Ende zu einer Qualitätsminderung führen, dass heisst evtl. auch zu längeren Stillproblemen, früherem Abstillen, nicht zufriedenstellender Betreuung der jungen Eltern. Die Arbeit, die wir hier leisten, ist präventiv gesundheitlich von hohem Wert, was sich sowohl auf die körperliche wie geistige (Stichpunkt Wochenbettdepressionen, Kindesmißhandlung) Gesundheit von Mutter und Kind auswirkt.
Nur ein paar grobe Angaben zu den Ausgaben von (voll oder teilweise) freiberuflichen Hebammen: Krankenversicherung 300-500€ pro Monat, Berufshaftpflicht 1600 (ohne Geburtshilfe) bis demnächst (s.u.) 3700/ 4600€ (mit Geburtshilfe: ohne Vorschäden/mit Vorschäden) pro Jahr, dazu unterschiedlich hohe Ausgaben rund um Auto, Berufsverband, Miete von Kurs- oder Geburtsräumen, Berufsgenossenschaft etc.
Der Deutsche Hebammenverband errechnete aufgrund durchschnittlicher Hebammenarbeit einen Verdienst von um die 7,50€ pro Stunde – nochmal: bei unserer Arbeit tragen wir die Verantwortung für mindestens die Gesundheit, maximal das LEBEN von Mutter und Kind.

– der VersicherungsPFLICHT der freiberuflichen Hebammen bei der „Deutschen Rentenversicherung“. Bei Beiträgen von 19,5 % des ohenehin schon niederigen Einkommens ist es einfach unfair, dass die meisten anderen Freiberufler und Selbständigen selber entscheiden können, wie sie sich rentenversichern (z.B. privat). Dieses Gesetz, das Hebammen in die Pflicht nimmt, ist von 1936!

!!!! NEU und dramatisch sind allerdings die Veränderungen bei den Berufshaftpfichtbedingungen an Juli 2010:

Jede Hebamme, insbesondere die freiberuflich tätigen, haben die Pflicht, sich aufgrund der hohen Verantwortung zu versichern.
Aus diesen Versicherungen werden sowohl eventuelle Prozesskosten wie auch die Schadenssummen für die Geschädigten bezahlt,
z.B. wenn ein Kind aufgrund eines Behandlungsfehlers behindert zur Welt kommt.
Es ist eigentlich unnötig zu erwähnen, dass dies natürlich für alle medizinisch tätigen Berufe gilt, und nicht etwa gerade Hebammen besonders viel Schaden anrichten….diese Zahlen werden unter anderem belegt in der Qualitätssicherung ausserklinischer Geburtshilfe (QUAG, http://www.quag.de, wo ihr anhand der Fallzahlen jedes Jahres belegt seht, dass ausserklinische hebammengeleitete Geburtshilfe sicher ist) und in folgender Studie: http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/37926/Geplante_Hausgeburt_so_sicher_wie_Entbindung_in_der_Klinik.htm

Es ist nicht so, dass die Anzahl der Schäden steigt, dennoch aber die Anzahl von Klagen (die Krankenversicherungen versuchen bei jedem gesundheitlichem Schaden einen „vermeintlich Schuldigen“ zu finden, um die Kosten abzuwälzen- das bedeutet wiederum NICHT zwangsläufig, dass Behandlungsfehler die Ursache waren…) sowie die Betreuungskosten…auch dadurch, dass z.B. mehr geschädigte Kinder (extreme Frühgeburten, schwere Fälle von Kernikterus-Kindern (schwere Gelbsucht mit Folgen der geitigen und körperlichen Behinderung) überleben und sehr hohe Betreuungskosten bennötigen (was jetzt in keinster Weise wertend gemeint ist!).
Waren Hebammen vor einigen Jahren noch mit 1.000.000€ Versicherungssumme für den Schadensfall abgedeckt, ist jetzt eine Versicherungssumme von 5-6 Millionen (!!!) notwendig, angepasst an die bis dato zugesprochenen Schadenersätze etc.

Nun ist es so, dass sich deshalb innerhalb der letzten 2 Jahre die Höhe der Berufshaftpflichtversicherung zunächst um etwa 90%, dann dieses Jahr noch mal um fast 60% steigen wird!!!! Diese Steigerung (auf 3700/ 4600€ pro Jahr, s.o.) bei gleich bleibenden Gebühren (ja, okay, eine Erhöhung um 1,5% gab es schon- die ist aber nichtig bei den Zahlen!) TREIBT VIELE HEBAMMEN UND GEBURTSHÄUSER FINANZIELL IN DEN RUIN und führt jetzt schon dazu, dass sich tausende freiberufliche Hebammen mindestens aus der Geburtshilfe, wenn nicht ganz aus dem Hebammenberuf zurückziehen werden. Beispiele: das Geburtshaus Witten schließt im Sommer, ebenso wie mehrere Geburtshäuser in Berlin, viele (wirklich heißbegeherte) Beleghebammen und Hausgeburtshgebammen hören auf, weil die Arbeit schlichtweg finanziell unrentabel wird (wenn sie das nicht fast schon ist).

DIESE Tatsache geht NICHT NUR und Hebammen an, sondern die ganze Gesellschaft!
Es ist NICHT egal, wie wir geboren werden!

Insbesondere in strukturschwaächeren, weniger besiedelten Gegenden Deutschlands, aber ebenso in den Städten wird diese Problematik zu einem HEBAMMENMANGEL führen und damit dazu, dass Frauen NICHT MEHR FREI WÄHLEN KÖNNEN, WO SIE GEBÄREN MÖCHTEN.
Der Trend läuft dann zu den großen Entbindungszentren, in denen Frauen dann personell schlecht betreut (z.B. eine Hebamme für 3 gebärende Frauen) den doch eigentlich so besonderen Geburts-Tag ihres Kindes erleben müssen. UND: die Kaiserschnittrate steigt und wird bei ebensolchen Verhältnissen weiter steigen (zur Zeit liegt diese in Deutschland bei 30%!!!!).

Wir haben glücklicherweise in Deutschland zwar eine schlecht bezahlte, aber im Verhältnis zu vielen anderen europäischen Ländern, eine gute, frauenfreundliche Geburtshilfe. Frauen können wählen, ob sie sich in der Schwangerschaft von einem Arzt oder einer Hebamme betreuen lassen wollen, ebenso, ob sie zuhause, in einem Geburtshaus, mit oder ohne persönlicher Beleghebamme in einer Klinik gebären wollen. Zuhause haben Frauen das Recht auf eine mindestens 8wöchige Wochenbettbetreuung. NOCH!!
Diese Umstände sind gut und richtig so!
Lassen wir uns, lasst das euch nicht nehmen!!!
Nehmt euch diese Mail zu Herzen, besonders, wenn ihr selbst noch Kinder „plant“ …
und denkt ansonsten bitte an eure Töchter und Enkelkinder.
ES IST NICHT EGAL, WIE WIR GEBOREN WERDEN!

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WAS JETZT / WAS KÖNNEN WIR TUN?

Hauptproblem ist, das Hebammen eine relativ kleine Berufsgruppe darstellen und keine Lobby haben.
Deswegen ist das erste: sendet diese Mail bitte an eure Bekannten und Freunde weiter, damit die Problematik in Deutschland ausreichend und in ihrer Dramatik (!) bekannt wird! Wenn ihr Kontakt zur Medienbranche habt, macht diese auf das Problem aufmerksam!

Was wir Hebammen uns wünschen, ist, das die Politik sich wieder einmischt und mit uns gemeinsam an Lösungsansätzen arbeitet.
Sämtliche Verhandlungen mit den Krankenkassen scheiterten in der Vergangenheit, und die Höhe der Berufshaftpflicht lässt sich auch nicht ändern….wir brauchen eine politisch unterstützte Lösung.

!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Der kommende 5. Mai ist INTERNATIONALER HABMMENTAG. An diesem Tag sind deutschlandweit viele Kundgebungen und PROTESTE geplant, u.a. in Berlin, Hamburg, München, Stuttgart, Köln, Heidelberg, …..

Da wir wiegesagt eine kleine Berufsgruppe sind, brauchen wir eure Unterstützung! Kommt zu den Protesten, bringt Freunde und Kinder mit!!!

GANZ WICHTIG ist ausserdem die Online- Petition beim Deutschen Bundestag, die am 5. Mai für 3 Wochen geschaltet wird. Innerhalb brauchen wir 50.000 (!!!) Mitzeichner, damit die Problematik beim Deutschen Bundestag auf den Tisch kommt. Der Aufwand hierbei ist denkbar klein: sich auf der verschlüsselten, sicheren Homepage der Online-Petition registrieren, und per Knopfdruck mitzeichnen.
Wir brauchen JEDE Stimme!

In diesem Link wird die Petition ab 5.5. geschaltet sein: https://epetitionen.bundestag.de/

Wenn ihr bis hierher gelesen habt: vielen Dank für eure Aufmerksamkeit! Ihr könnt euch sicher denken, dass ich mir am ersten Mai auch Schöneres vorstellen könnte, als diese Mail zu verfassen….aber das Thema ist wichtig. Und eben nicht nur für Hebammen…

Liebe Grüße zum ersten Mai
Nadine Dönecke

(www.bauchglueck.de)

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Mehr Informationen, auch zu den geplanten Protestorten und Zeiten, sowie den Petitionslink, bekommt ihr hier:

http://www.hebammen-protest.de

http://www.hebammenfürdeutschland.de

http://www.dhv.de (deutscher Hebammenverband)

http://www.bfhd.de (Bunde freiberuflicher Hebammen Deutschlands)

http://www.greenbirth.de

facebook-gruppe: hebammenprotest (auch weiterführende links, Zeitungartikel, Radiobeiträge)

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Bereits geschaltete Medienberichte:

TAZ http://www.taz.de/1/nord/bremen/artikel/1/hebammen-bangen-um-existenz/

Radio (Audiobeitrag) http://www.rdl.de/images/stories/audio_mp3/20100429-hebammenber-08772.mp3

Lübecker Nachrichten http://www.ln-online.de/regional/2771836

WAZ / Der Westen http://www.derwesten.de/staedte/unna/Haftpflicht-Beitraege-fuer-Hebammen-steigen-rapide-id2837140.html

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2 responses to “Hebammen-Protest

  • Gucky

    Zwar habe ich mal mitgezeichnet. Aber ich gebe zu bedenken, daß eigentlich jeder Selbstständige oder Freiberufler über zu hohe Abgaben jammern könnte. Denn die Abzockerei zieht sich ja durch alle Berufe !

  • Pauladieerste

    Gucky, grundsätzlich stimme ich Dir da zu. Allerdings sehe ich durchaus einige gravierende Unterschiede (die ja auch in der langen Mail genannt wurden) zu „anderen“ Selbständigen. Allen voran die Verantwortung für Menschenleben.

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